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›SNEAKY PARADISE‹ 17/03/2018 — 27/04/2018

›SNEAKY PARADISE‹ 17/03/2018 — 27/04/2018

  • Katharina Arndt
  • Tanja Selzer 
  • Stefan Rinck   

 

Konstanz  17/03/2018—27/04/2018

Ein hinterhältiges Paradies, a sneaky paradise, welches laut und gar nicht schüchtern vor uns steht, wird von drei Menschen gefüllt; es ist selbstbewusst und direkt, und doch wiederum -und hier dringt das hinterhältige durch- sind einzelne Facetten erst auf den zweiten Blick erkennbar, dort schleicht es sich von hinten an und bringt uns zum Stolpern, um uns gleich danach in wollüstig verderbter Art und Weise aufzufangen, ganz und gar pastellfarben und nicht unbekannt. In nahezu jeder Arbeit steckt der kleine Funke Utopie und das Verlangen nach einer paradiesischen Welt. Und so ist es seit Anbeginn der Zeit, in jeder kunstgeschichtlichen Epoche betritt dann und wann das Paradies die Bühne, als Sehnsucht nach transzendenter Firnis mäandert es um die zentrale Fragestellung nach religiösen Vorstellungen, himmlischer Glorie und einer reineren Wirklichkeit.

Wie sieht das Paradies in der Kunst aus? Darstellungen in Mittelalter und Renaissance von Paradies-Szenen, vom irdischen Paradies des in der Genesis beschriebenen Garten Eden sind hinlänglich bekannt. Wie sieht das Paradies heutzutage in der zeitgenössischen Kunst aus?

Drei deutsche Künstlerinnen und Künstler geben uns einen Einblick in ihre eigene paradiesische Welt. Katharina Arndt, Stefan Rinck und Tanja Selzer locken uns in ein pastellfarbenes Schlaraffenland mit doppeltem Boden, in welchem leuchtende Schriftzüge und Sandsteinskulpturen auf Malerei treffen. Die vielseitigen und teils konträren Materialien vereinen sich thematisch und präsentieren auf originelle Weise das vermeintlich Süße und Schöne. Doch die Portraits junger, schöner Frauen, die Darstellungen von Adam und Eva im paradiesischen Garten Eden und zahlreiche zutrauliche Phantasiewesen haben eine Schattenseite: sie alle fordern uns auf, ihr Janusgesicht zu entlarven. Denn das wahrhaft Unheimliche schlummert stets im Vertrauten, wie bereits Sigmund Freud in seinem Essay Das Unheimliche im Jahr 1919 feststellte. Die Hybridität von Vertrautem und Unbekanntem findet in dieser Ausstellung neue ästhetische Darstellungsweisen, die uns in eine glänzende Scheinwelt voll extravaganter Schönheit und gnadenloser Verklärung eintauchen lassen.

Katharina Arndt reflektiert und figuriert mit ihren Satzfragmenten aus Strass und den bunten Leuchtschriften auf höchst plakative und ironische Art und Weise Selbstdarstellungszwang, Körperideale und die reizüberflutete Konsumgesellschaft der Gegenwart, während ihren mit Neonmarker gezeichneten Frauenportraits der Serie ›women killing men‹ Filmstills aus Horrorfilmen zu Grunde liegen. Zarte, mädchenhafte und engelsgleiche Gesichter blicken uns unschuldig entgegen, und doch läuft uns ein kleiner Schauer über den Nacken und ein kühler Hauch streift unsere Wange.

Bei Stefan Rinck schneiden animalische Kreaturen Fratzen und tragen Masken, sie sind kostümiert und mit ikonografischen Attributen ausgestattet. Ihre Ursprünge liegen dabei unter anderem in mittelalterlichen Tiersymboliken, in der griechischen Mythologie und in Volksmärchen. Einige Charaktere besitzen eine konkrete Funktion: da ist einer, der Zweifel streut; einer, der die Anklage verliest und jemand, der vorgibt, jemand anders zu sein. Auf den Sockeln des Ausstellungsraumes tummelt sich diese kafkaeske Parade aus Chimären, Monstern und animalischen Figuren. Die Fabelwesen aus Sandstein und Diabas entstammen einer sonderbaren Phantasiewelt und changieren in ihrer Wirkung von humorvoll bis bedrohlich.

Die mehrmals großformatigen Leinwände der Serie ›Meet me in the trees‹ von Tanja Selzer zeigen explizit erotische Szenen, die einen großen romantischen Anteil besitzen, denen jedoch auch eine gewisse pornographische Wortfügung innewohnt. Das Sujet á la Adam und Eva nach dem Sündenfall ist dabei ebenso präsent wie die Darstellung einzelner Personen im Umfeld der Natur. Die Illustration und die Wiedergabe von Akten in der Natur blicken auf eine weitreichende kunsthistorische Vergangenheit zurück; das Zusammenspiel scheinbar bekannter Realitäten beinhaltet jedoch eine potentielle Wendung zum Gegenteiligen und Unheimlichen.

Die Ausstellung ›Sneaky Paradise‹ möchte beleuchten, auf welche Weise sich die Sehnsucht nach einem –wie auch immer gearteten- Paradies im Oevre dreier höchst konträr arbeitender Künstler ausformuliert; wie sich das vermeintlich Alltägliche und Schöne innerhalb der Irritation wendet, wie aus den Wogen von Romantisierung und Verklärung ungeahnt und unvorbereitet die schroffen Abgründe der Realität auftauchen. Genießen Sie Ihren Aufenthalt in einem ›Locus amoenus‹ (lat. für ›lieblicher Ort‹) und entdecken Sie hinter der Fassade des Lieblich-Süßen das Voyeuristische und Plakative sowie Ihre ganz persönlichen paradiesischen Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten.

— Juliane Lachenmann + Christina Wigger

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