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Katalog ›NACHWELT‹ Franziska Klotz, Agnes Lammert, Jirka Pfahl, Ronny Szillo | Lachenmann Art

Katalog ›NACHWELT‹ Franziska Klotz, Agnes Lammert, Jirka Pfahl, Ronny Szillo | Lachenmann Art

Katalog ›NACHWELT‹ Franziska Klotz, Agnes Lammert, Jirka Pfahl, Ronny Szillo | Lachenmann Art

Jahr: 2021

Dimensions: 24 cm x 17 cm x

Seiten: 80

€14,02 EUR net price

Normaler Preis €15,00
Normaler Preis Verkaufspreis €15,00
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Katalog zur Gruppenausstellung der Künstler Franziska Klotz, Agnes Lammert, Jirka Pfahl, Ronny Szillo mit dem Titel ›NACHWELT‹, die vom 17. Juli bis 15. Oktober 2021 in der Galerie Lachenmann Art in Konstanz stattfand. Die Ausstellung ›NACHWELT‹ war durch die Stiftung Kunstfonds und das Sonderförderprogramm 20/21 NEUSTART KULTUR gefördert. Texte von Sophia Pietryga, Juliane Lachenmann und vom Lachenmann Art Team. 

"Die Ausstellung ›NACHWELT‹ in der Frankfurter Galerie Lachenmann Art beschäftigt sich mit der Fragewavon der Kunst und der künstlerischen Existenz im Falle eines dystopischen Ereignisses bestehebleibtIn diesem Szenario blicken wir in eine Zukunft ohne den Menschenjedoch mit all den Artefaktendie er hinterlassen hat. Jene imaginäre Dystopie ermöglicht dem Besucher, das menschliche Dasein aus einer scheinbaren Distanz zu betrachten und darüber den gegenwärtigen Seins-Zustand neu zu versteheund zu beurteilenIn der Ausstellung ›NACHWELT‹ gewähren vier Künstler*innen Einblicke in ihre Reflexion und künstlerische Umsetzung zum Gedankenspiel einer potenziellen Nachwelt.

Die freihängenden Skulpturen von Agnes Lammert stehefür die Schwere einer Dystopie, die Vergänglichkeit und die darauffolgende Leichtigkeit. Der Künstlerin gelingt es mit der Arbeit ›Schwere‹einen fiktiv leichten, durchlässigen Stoff, der die Formen eines Körpers umschmeicheltzu gestalten. Die frehängende Plastik, die sich in einer steten, sachten Bewegung befindet, erzeugbeim Betrachter Neugier und FaszinationAgnes Lammert versteht es ebenso, eine immanente Ambivalenz zwischeMaterialbeschaffenheit und Wirkung ihrer Arbeit ›Kazé‹ zu verleihen. Die Empfindlichkeit des Materials Wachs der Temperatur gegenüber, bestätigt es als vergängliches, fragiles Artefakt eines kurzlebigen Zeitabschnittes. Das Zusammenspiel von scheinbarer Schwere und vorgeblicher Leichtigkeit spielt in degegenseitigen Bedingung und Widersprüchlichkeit aueine ungewisse Zukunft an, welche mider Ausstellung hinterfragt werden kann. Was beschäftigt, was bleibt bestehen und was wird vergehen?

Die Arbeit von Jirka Pfahl untersucht die Möglichkeiten und Grenzen eines blockchainbasierten Kunstwerkes, welches sich an den neuen digitalen Werten und Bewertungssystemen orientiert. Blockchain beschreibt eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen und lässt sich ins Unendliche fortführen. Die in dem verborgenen Netz des Computers existierende Verkettung bringt Jirka Pfahl in eine sichtbare Form. So bestehen seine Arbeiten aus gefalteten Formen, die wie ein Netz die gesamte Bildfläche einnehmen. In der ständigen Wiederholung einzelner Formen und ihrer Reproduzierbarkeit stoßen sie Gedanken über die Unendlichkeit an. Diese Arbeit soll stellvertretend stehen für die Errungenschaften der Technik, welche auch in einem dystopischen Szenario ohne menschliche Bevölkerung weiter existieren würden. Jirka Pfahl führt uns mit Hilfe seiner auf strengen Ordnungsregeln beruhenden Arbeiten vor Augen, dass der Mensch, der selbst endlich ist, unendliche Dinge erschaffen kann. Neben der rasanten technischen Entwicklung hat sich auch der menschliche Geist und Verstand gewandelt. Kritisches Denken gehört mehr denn je zum Zeitgeist. 

Jenem Zeitgeist widmet sich auch Franziska Klotz in einer ihrer Arbeiten, die unter anderem Teenager porträtiert, auf deren Generation sowohl schweres Erbe als auch große Hoffnung liegt. Die Kritik der jüngeren Generation wird zunehmend lauter, bestehende Konventionen zu überdenken. Den Ruf nach einem Umschwung der in Traditionen verhafteten Gesellschaft, greift Franziska Klotz in ihrer Position als Malerin auf. Bestehende und veraltete Ordnungen führen in eine düstere Zukunft, die Franziska Klotz in ihrem Werk ›Moorbrücke‹ verbildlicht. Der Drang, eine solche traditionsbedingte Konformität zu sprengen, wird im Werk ›Glass 1‹ über einen Sprung im Glas verdeutlicht. Franziska Klotz zeigt hier einen zerstörten Bildgrund, der die gesamte Fläche für sich in Anspruch nimmt und die ungewisse Positionierung in einer Welt der Umbrüche und Neurungen in Form von scheinbar spiegelnden Facetten zitiert. Einzelne Bruchteile, die sich einer Durchsicht verwehren, nehmen damit direkten Bezug auf jegliche Ungewissheiten einer Nachwelt. 

Die Skulpturen von Ronny Szillo stellen sich der spielerischen Frage, welche Gegenstände aus unserer heutigen Zeit ein zukünftiger Archäologe wohl finden würde. In direktem Vergleich zu historischen, aufsehenerregenden Grabfunden vergangener Zeit schafft Ronny Szillo schrill-bunte Fossilien der Zukunft. In Anlehnung an über Jahrtausende zusammengepresste Gesteinsschichten, in welchen versteinerte Schnecken und Pflanzen zu finden sind, umschließt der graue Beton bunte Sneaker, glitzernde Handyhüllen und Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten. Keine handbemalten Keramikscherben oder antiken Werkzeuge werden Zeugnis unserer Zivilisation sein, sondern all jene scheinbar gewöhnlichen Objekte und Artefakte, die Ronny Szillo in einer argwöhnischen Reflexion des Anthropozäns verschmelzen lässt. Mit einem kritischen Augenzwinkern gibt der Künstler sich als Zukunftsvisionär zu erkennen, der nicht nur die multimediale Struktur unserer Zeit im Sinne einer ,,schönen neuen Welt" zu hinterfragen wagt, sondern sich auch kunstgeschichtlich in einen Dialog mit Materialbeschaffenheit und Handwerk begibt. Die Ästhetik des 21. Jahrhunderts wird von Ronny Szillo für die Nachwelt in Beton gegossen."

 

Entdecken Sie die Werke von Agnes Lammert und Jirka Pfahl

 

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