Kategorie: Florian Lechner

Florian Lechners Arbeiten sind wie Schnitte in die Wirklichkeit. Sie offenbaren die Interaktion und das Zusammenspiel zwischen der dreidimensionalen Tiefe unserer Realität und ihren zweidimensionalen Fabriken im digitalen Raum. Lechner überlagert die verschiedenen Raumebenen und manipuliert sie zu einer einzigartigen, visuell überbordenden Erfahrung von Einfachheit, Eleganz und brachialem barocken Exzess.

Der 1981 geborene Künstler Florian Lechner absolvierte sein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Über seine renommierten Professoren Hans Op de Beeck und Hermann Pitz, bei denen er 2012 Meisterschüler war, fand er über die konkrete Kunst zu einer Position, die man wohl treffend als "zeitgenössischen Barock" bezeichnen kann. Seitdem wurden die Arbeiten des erfolgreichen Künstlers in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in der Museumsausstellung "Out of Office" im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt sowie dauerhaft in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Die Galerie Lachenmann Art zeigte Florian Lechner bereits auf der Positions Berlin 2020, in der Jubiläumsausstellung 'The Works' und widmet ihm 2021 eine große Einzelausstellung.
Florian Lechners Werk besticht durch klare Linien, schlichte Eleganz in Schwarz und Weiß und eine geradlinige, opulente Reduktion. Der erste Eindruck der Arbeiten ist meist trügerisch: Was zunächst nüchtern und neutral erscheint, unterläuft Lechner mit subtilen Mitteln. Seine Objekte im Wandformat verstehen es, sich aus den Grenzen der klassischen Malerei zu befreien und den Raum zu erobern. Lechner löst das Kunstwerk aus seiner physischen Existenz heraus, verlagert es ins Ephemere und jongliert mit der Wahrnehmung des Betrachters.

 

Vita

Florian Lechner

RENDER: Florian Lechner at Lachenmann Art Frankfurt

Versammelt werden in der Ausstellung RENDER neueste Werke des Münchner Künstlers Florian Lechner (*1981), die als eine Art digitale Bildhauerei zu begreifen sind. Einerseits machen sie das Digitale virtuos für die Bildhauerei fruchtbar und setzen sich andererseits kritisch mit dessen Implikationen für das Kunstwerk und die ästhetische Erfahrung auseinander, worauf auch der Titel der Ausstellung verweist.

 Als englisches Verb ist to render grundsätzlich als ein Machen, Leisten, Erweisen zu verstehen. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich dies jedoch vor allem im Zusammenhang mit dem rendering als Begriff aus dem Design bzw. der Computergrafik durchgesetzt. Verstanden als Bildsynthese wird darüber der Erzeugungsprozess eines Bildes oder einer Skizze aus Rohdaten für den 2D- bzw. 3D-Raum beschrieben, wobei auf die Daten spezifische Eigenschaften übertragen bzw. Spezifikationen vorgenommen werden. Damit verweist der Begriff pointiert auf das, was Lechner in seinem Werk verhandelt, wenn er Körper im virtuellen Raum gestaltet und Bilder von diesen Körpern auf Aluminiumverbundplatten druckt, die er dann weiterbearbeitet. Oder wenn er Teile des Körpers in unterschiedlichen Größen mit Hilfe eines 3D-Druckers ausdruckt, sodass er im Sinne des Post Internets Image Objects erschafft, die ohne Notwendigkeit einer Unterscheidung von Original und Kopie auskommen.

Ähnlich wie dies zu den Herausforderungen beim Rendern zählt, verhandelt Lechner in unterschiedlichen Formen, Materialien und Formaten die Problematik zwischen virtueller Betrachtung und der Sichtbarkeit bzw. Sichtbarmachung von Objekten, die Beeinflussung der Materialeigenschaften durch das Aussehen von simulierten und realen Oberflächen, ebenso wie die Rolle und die Funktion der Lichtbrechungen und Lichtverhältnisse, was schon immer zu den Grundthemen der klassischen Bildhauerei zählte. Ein bedeutender Unterschied und eine entscheidende Abgrenzung von der Tradition ist jedoch, dass Lechner sich deren Konventionen nicht beugt, sondern sich von diesen im Sinne der Postmoderne löst, um sie weiterzudenken.

Wie sich dies auch in der Präsentation der Werke in den Galerieräumen zeigt, negiert Lechner den klassischen Werkbegriff und versucht physisch wie virtuell vielfältige Beziehungen zwischen den einzelnen Arbeiten und ihren digitalen Reproduktionen, Abbildungen und Weiterführungen herzustellen, die inzwischen bis in die sozialen Netzwerke und deren Echo hineinreichen.

Lechner adressiert damit auch weitere aktuelle Fragen zum Verhältnis der künstlerischen Autonomie und der Bewahrung ästhetischer Erfahrung in dieser Situation, die das Werk nicht nur zu einem Konsumartikel kommodifiziert, sondern sich auch eine Andersartigkeit und Besonderheit erhält. Indem Lechner diese und weitere ähnliche zeitaktuelle Überlegungen aufgreift, beleuchtet er die grundsätzlichen Widersprüche einer digitalen Kunst. Zugleich verführt er die Besucher:innen über die vermeintlich glatten, ästhetischen und zugleich haptisch reizvollen Oberflächen, die für Lechners Werk typisch sind, unbewusst in den von ihm geführten Diskurs einzusteigen und am Ende als Rezipient:in die beschriebene Vielfalt der Beziehungen zu erweitern.

Impressionen

Florian Lechner Galerie Lachenmann Art
Florian Lechner Galerie Lachenmann Art